ÜBER UNS/ABOUT US

*english version below

Das Energieseminar organisiert jedes Semester fünf interdisziplinäre Projekte, in denen Studierende selbstständig Themen aus dem Bereich Energie-Umwelt-Gesellschaft bearbeiten. Eine inhaltlich breite und interdisziplinäre Diskussion ist uns dabei genau so wichtig wie das Ausprobieren und Erleben gemeinsamer Gruppenarbeit.

Wir sind meistens acht Studierende und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Fachrichtungen. Wir sind an das Institut für Energietechnik an der TU Berlin angegliedert, können aber vieles eigenständig entscheiden. In unserem Team versuchen wir möglichst gleichberechtigt und hierarchiearm zu agieren.

Entstanden ist das Energieseminar vor über 30 Jahren. Die beiden Ausgangspunkte – erneuerbare Energien und Lehrformen abseits des Frontalunterrichts – sind heute noch genauso aktuell. Wir finden es wichtig, die oft auch politischen Diskussionen immer wieder in die Uni zu tragen – das betrifft unseren thematischen Schwerpunkt wie auch alternative Lernformen und Möglichkeiten des hierarchiefreien Zusammenarbeitens.

Wenn ihr noch Fragen habt oder mehr wissen wollt: Kommt vorbei, ruft an oder schreibt eine Mail an energieseminar[at]tu-berlin.de.

Geschichte

In Reaktion auf den geringen Praxis-, Ökologie- und Gesellschaftsbezug ingenieurwissenschaftlicher Lehrangebote entstand 1980 das Energieseminar als studentische Initiative. Anfangs insbesondere motiviert an der Kritik der Atomenergie, wurde in selbstorganisierten Seminaren die Nutzung regenerativer Energien diskutiert und in Form kleiner Anlagen umgesetzt. Ökologische, soziale und politische Aspekte sollten das gleiche Gewicht erhalten wie ökonomische und technische Belange. Themen im Spannungsfeld zwischen Energie, Umwelt und Gesellschaft sowie die Verbindung von Theorie und Praxis bestimmen seitdem unsere Arbeit. Mittlerweile ist das Energieseminar in den Lehrbetrieb der TU eingebunden und seit 2002 Teil des Fachgebietes Maschinen- und Energieanlagentechnik bei Prof. Dr.-Ing. Ziegler. Die inhaltliche und methodische Gestaltung der Seminare wird seither durch ein ca. zehnköpfiges Plenum von Tutor*innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen getragen.

Plenum

oder: wer, wie, was steht eigentlich hinter den Projekten?
Hinter den Energieseminarprojekten stehen zehn Leute – großteils Studierende, aber auch Fertigstudierte – die in Zweierpaaren die Projekte betreuen. Wir sind Leute ganz unterschiedlicher Studienrichtungen und achten auf Genderausgewogenheit in unserem Team. Unser Büro befindet sich im KT-Gebäude am Institut für Energietechnik Maschinen- und Energieanlagentechnik bei Prof. Ziegler. Hier sind wir ans Fachgebiet angegliedert, aber sind – im Unterschied zu vielen anderen Arbeitsgruppen der Uni – weitgehend autonom. Das bedeutet, dass wir Alles, was für die Projekte so an Arbeit anfällt, selber machen; die Projekte zu planen, zu betreuen und nachzubereiten, Noten & Scheine auszustellen, Öffentlichkeitsarbeit zu machen – z.B. Projektvorstellungen zum Semesteranfang. Zusätzlich fällt aber auch eine ganze Menge Hintergrundarbeit an – von Stellen- und sonstiger Verwaltung über Sekretariatsaufgaben wie E-mails beantworten, bis hin zu Website- und Technikbetreuung oder einer Station bei der Langen Nacht der Wissenschaften ist alles dabei. Um das Alles zu organisieren gibt es ein zentrales Entscheidungsgremium: Wir Alle! Wie geht das? Einmal wöchentlich treffen wir uns in unserem Büro und besprechen, planen und entscheiden was gerade so ansteht. Dabei ist uns im Umgang miteinander gleichberechtigtes, gemeinsames und bedürfnisorientierte Zusammenarbeit sehr wichtig. Wir achten darauf, dass alle Plenumsmitglieder ihre Meinung einbringen können. Wenn Entscheidungen gefällt werden, soll Jede*r damit einverstanden sein (Konsensprinzip). Das heißt nicht, dass Alle immer Alles und das gleiche zusammen denken und machen müssen, aber Aufgaben und Strukturen sollen transparent sein. Wir wollen nicht nach fertigen Strukturen arbeiten, sondern diese immer wieder neu denken und anpassen. Also.. wie in den Projekten: Der Prozess ist uns wichtig, das “wie” – ebenso wie das „was“ und das „warum“.

Politik

Wir verstehen unser Energieseminar-Plenum als einen aktiven und gestaltenden Teil einer ökologischen Bewegung. Selbstorganisation, Partizipation und Emanzipationsprozesse sind für uns von zentraler Bedeutung. Inhaltlich möchten wir die Diskussionen rund um (erneuerbare) Energien stets mit einem kritischen Blick hinterfragen. Das bedeutet, beispielsweise auch die ökonomischen und machtpolitischen Aspekte der Energiewende zu beleuchten, die Frage ‘zentral oder dezentral?’ zu stellen, aber auch neue Entwicklungen wie das „Smart Grid“ im Hinblick auf die Datenschutzproblematik oder den Reboundeffekt zu betrachten. Bewusste, gemeinsame Entscheidungsprozesse zu fördern ist ein wichtiges Element unserer Arbeit. Sowohl in unseren Projekten als auch im Plenum wollen wir dabei möglichst frei von Hierarchien arbeiten und gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsstrukturen reflektieren. Chef*innen- und Lehrer*innenrollen versuchen wir bewusst zu hinterfragen und wünschen uns horizontale und kollektive Verteilung von Aufgaben und Verantwortungen. Das Energieseminar möchte ein diskriminierungsfreier Raum sein. Diskriminierung jeder Art, z.B. auf Grund von Herkunft, äußerem Erscheinungsbild, Religion sowie Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität möchten wir offen entgegentreten bzw. selbstkritisch thematisieren (Einen offenen Brief warum wie eine Frauenquote und Frauen*projekte anbieten findet ihr hier). Der Gebrauch einer geschlechtergerechten und diskriminierungsfreien Schreibweise in der Erstellung unser schriftlichen Projektarbeiten ist uns daher wichtig. Auch jenseits unseres Büros und der Projekte ist uns kooperatives und solidarisches Handeln ein Anliegen. Das heißt zum Beispiel im Bildungsstreik aktiv zu sein, bei gegebenem Anlass Student*inneninitiativen zu unterstützen oder in hochschulpolitischen Belangen mit zu mischen. Auch jenseits unseres Plenums und unserer Projekte möchten wir ein aktiver, gestaltender Teil der Welt sein. Ein kleiner zwar, aber in der Hoffnung, dass wir mit gemeinsam reflektierten Verhaltens- und Denkweisen unsere Umwelt und uns selbst Schritt für Schritt verändern können.

Lehre

Inhaltlich
Das Energieseminar orientiert sich inhaltlich an den Themenschwerpunkten: Umwelt & Gesellschaft, Umwelt- und Energiepolitik und Alternativen zur bestehenden Energieversorgung. In den Projekten werden Themen aufgegriffen, die wir im konventionellen Lehrangebot der TU vermissen, da sie nur nebenrangig oder gar nicht angeboten werden. Der Anspruch an die inhaltliche Projektarbeit ist es, einen Bezug zu aktuellen Themen herzustellen und sich für eine perspektivenreiche Betrachtung, auch über den Tellerrand hinaus stark zu machen. In den Projekten soll Raum geschaffen werden, sich durch gemeinsames praktisches Arbeiten neben grundlegenden handwerklichen und methodischen Fähigkeiten auch organisatorische und zwischenmenschliche Kenntnisse anzueignen. Kooperationsprojekte und Exkursionen bieten des öfteren Anlass, inhaltlich aktiv zu werden und entsprechend des Bedarfs etwas auf die Beine zu stellen.

Methodisch
Das Energieseminar will eine Alternative zum Frontalunterricht bieten, in der Inhalte, Verlauf und Organisation des Projektes von den Teilnehmenden selbstbestimmt gestaltet werden können. Nicht nur die Inhalte, sondern auch das „Wie“ des Lernens ist entscheidend. Wir sehen das Energieseminar als eine Oase, in der spielerisches und experimentelles Lernen und die Umsetzung eigener Ideen möglich ist, ohne dabei Abstriche im Inhalt in Kauf zu nehmen – im Gegenteil!
Bei der gemeinsamen Arbeit an einer abschließenden Dokumentation werden die Techniken wissenschaftlichen Arbeitens angewendet und thematisiert. Durch den gemeinsamen Aufbau und das Erfahrbarmachen einer basisdemokratischen Organisationsstruktur, z.B. in AGs, entsteht zum einen eine motivationssteigernde Gruppendynamik, zum anderen können Erfahrungen gesammelt und soziale und methodische Kompetenzen entwickelt werden. So kann sich jede*r Teilnehmende durch die Moderation von Sitzungen, das Protokollieren und das Halten von Inputs nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch in die Gruppe einbringen.
Wir Tutor*innen verstehen uns dabei selbst nicht als leitende, lehrende oder überwachende Expert*innen, sondern als die, die den organisatorischen Rahmen schaffen, (Frei)Raum zum Lernen anbieten, methodisch und inhaltlich unterstützen und als Ansprechpartner*innen präsent sind.

Außerprojektlich
Die Lehre, die das Energieseminar anbietet, reicht über die Projektarbeit hinaus. Ein Beispiel dafür sind Projekte mit Außenwirkung, also Projekte, die sich zum Ziel setzen, mit ihrem Ergebnis (z.B. Film, Lehrpfad, Aktionstag, Planspiel) eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Nicht zu vergessen ist die Multiplikatorenwirkung der Teilnehmenden, auch nach dem Projekt ebenso wie die Netzwerkwirkung, durch die über, im und um das Energieseminar Kontakte geschlossen werden können.
Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Wissenschaften oder der Girls Day an der TU nehmen wir zum Anlass, Interesse an den inhaltlichen Schwerpunkten und Methoden zu wecken. Weiterhin bietet die Präsenzbibliothek im Energieseminar-Büro eine gut ausgestattete Anlaufstelle für inhaltliche Recherchen, sowie die Werkstatt des Energieseminars Möglichkeiten der handwerklichen Umsetzung.

*english version

Every semester, the Energy Seminar organizes five interdisciplinary projects in which students work independently on topics from the field of energy-environment-society. A broad and interdisciplinary discussion is just as important to us as trying out and experiencing joint group work.

We are mostly eight students and two research assistants from different disciplines. We are affiliated with the Institute for Energy Technology at the TU Berlin, but we can make many decisions independently. In our team we try to act as equally as possible and with as little hierarchy as possible.

The Energy Seminar was founded more than 30 years ago. The two starting points – renewable energies and forms of teaching away from frontal instruction – are just as relevant today. We think it is important to bring the often political discussions to the university again and again – this concerns our thematic focus as well as alternative forms of learning and possibilities of working together without hierarchies.

If you have any questions or want to know more: come by, call or write an email to energieseminar[at]tu-berlin.de.

History

The Energieseminar was founded in 1980 as a student initiative in response to the lack of practical, ecological and social relevance in engineering courses. Initially motivated in particular by criticism of nuclear energy, the use of regenerative energies was discussed in self-organized seminars and implemented in the form of small plants. Ecological, social and political aspects were to be given the same weight as economic and technical concerns. Topics in the field of tension between energy, environment and society as well as the connection of theory and practice determine our work since then. In the meantime, the Energy Seminar has been integrated into the teaching activities of the TU and has been part of the Department of Mechanical and Energy Plant Engineering under Prof. Dr.-Ing. Ziegler since 2002. Since then, the content and methodology of the seminars have been organized by a plenum of about ten tutors and research assistants.

Plenum

or: who, how, what is actually behind the projects?
Behind the energy seminar projects are ten people – mostly students, but also graduate students – who supervise the projects in pairs of two. We are people from very different fields of study and pay attention to gender balance in our team. Our office is located in the KT building at the Institute of Power Engineering Mechanical and Power Plant Engineering with Prof. Ziegler. Here we are affiliated to the department, but are – in contrast to many other working groups at the university – largely autonomous. This means that we do all the work for the projects ourselves; planning, supervising and following up the projects, issuing grades and certificates, public relations – e.g. project presentations at the beginning of the semester. In addition, there is a lot of background work to do – from job and other administration to secretarial tasks such as answering e-mails, to website and technical support or a station at the Long Night of the Sciences, it’s all there. To organize all this, there is a central decision-making body: All of us! How does it work? Once a week we meet in our office and discuss, plan and decide what is going on. In our dealings with each other, equal, joint and needs-oriented cooperation is very important to us. We make sure that all plenum members can contribute their opinion. When decisions are made, everyone should agree (consensus principle). This does not mean that everyone always has to think and do everything and the same thing together, but tasks and structures should be transparent. We don’t want to work according to ready-made structures, but we want to rethink and adapt them again and again. So… like in the projects: The process is important to us, the „how“ – as well as the „what“ and the „why“.

Politics

We understand our energy seminar plenum as an active and formative part of an ecological movement. Self-organization, participation and emancipation processes are of central importance to us. In terms of content, we always want to question the discussions around (renewable) energies with a critical eye. This means, for example, also to illuminate the economic and power-political aspects of the energy transition, to ask the question ‚centralized or decentralized?‘, but also to look at new developments such as the „smart grid“ with regard to the data protection problem or the rebound effect. Promoting conscious, joint decision-making processes is an important element of our work. In our projects as well as in the plenum, we want to work as free of hierarchies as possible and reflect social power and dominance structures. We try to consciously question the roles of bosses and teachers and wish for a horizontal and collective distribution of tasks and responsibilities. The energy seminar wants to be a space free of discrimination. Discrimination of any kind, e.g. on the basis of origin, appearance, religion as well as discrimination on the basis of sexual orientation and gender identity, we would like to openly confront or self-critically address (an open letter on why we offer a women’s quota and women’s projects can be found here). The use of a gender-appropriate and non-discriminatory form of writing in our written project work is therefore important to us. Beyond our office and the projects, cooperative and solidary action is also important to us. This means, for example, being active in the educational strike, supporting student initiatives when the occasion arises, or getting involved in university politics. Beyond our plenum and our projects, we also want to be an active, shaping part of the world. A small one, but in the hope that we can change our environment and ourselves step by step by reflecting on our behavior and ways of thinking.

Teaching

Content
The content of the energy seminar is based on the main topics: Environment & Society, Environmental and Energy Policy, and Alternatives to Existing Energy Supply. In the projects, topics are taken up that we miss in the conventional course offerings of the TU, since they are only offered as a secondary subject or not at all. The aim of the content-related project work is to establish a connection to current topics and to advocate for a perspective-rich view, also beyond the end of one’s nose. In the projects, space is to be created to acquire organizational and interpersonal skills in addition to basic manual and methodological skills through joint practical work. Cooperative projects and excursions often provide an opportunity to become active in terms of content and to get something off the ground according to need.

Methodical
The energy seminar wants to offer an alternative to the frontal instruction, in which contents, course and organization of the project can be arranged by the participants. Not only the content, but also the „how“ of learning is crucial. We see the energy seminar as an oasis where playful and experimental learning and the implementation of own ideas is possible without sacrificing content – on the contrary!
During the joint work on a final documentation, the techniques of scientific work are applied and thematized. Through the joint development and experience of a grassroots democratic organizational structure, e.g. in working groups, a motivation-increasing group dynamic is created on the one hand, and on the other hand, experience can be gained and social and methodological skills can be developed. Thus, each participant can contribute to the group not only in terms of content, but also methodically by moderating meetings, taking minutes and giving inputs.
We tutors do not see ourselves as leading, teaching or supervising experts, but as those who create the organizational framework, offer (free) space for learning, provide methodological and content-related support and are present as contact persons.

Extra-project
The teaching offered by the Energy Seminar extends beyond project work. An example of this are projects with an external impact, i.e. projects that aim to reach a broad public with their results (e.g. film, educational trail, action day, simulation game). Not to be forgotten is the multiplier effect of the participants, also after the project, as well as the networking effect, through which contacts can be made via, in and around the energy seminar.
We use public events such as the Long Night of Science or Girls Day at the TU as an opportunity to arouse interest in the main topics and methods. Furthermore, the reference library in the Energy Seminar office offers a well-equipped contact point for content-related research, as well as the workshop of the Energy Seminar offers possibilities for handicraft implementation.