WiSe15/16

Wintersemester 2015/2016

Ein Windrad auf dem Tempelhofer Feld

(Laborprojekt) Mittwochs 14-17 Uhr

In diesem Projektseminar wollen wir gleich zu Beginn in Zusammenarbeit
mit dem _„KitRad-Kollektiv“_ und dem Verein _„die Taschengeldfirma“_
eine Kleinwindkraftanlage (KWKA) auf dem Tempelhofer Feld (THF)
installieren. Sobald die Anlage steht, eröffnen sich für uns viele neue
Baustellen, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken wollen – dies kann
vom Vermessen der Anlage, über eine bedarfsorientierte Nutzbarmachung
der Energie, bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit gehen.
Auf theoretischer Ebene und einem Niveau, das für alle Teilnehmenden
verständlich bleibt, wollen wir uns zunächst ein Grundwissen aufbauen.
Dazu beschäftigen wir uns mit Fragen zum Baurecht, einigen Aufgaben der
Verwaltung und des Betriebes einer KWKA, sowie technischen
Zusammenhängen (Wie funktioniert eigentlich so ein Windrad?).
Doch auch praktisch wird gearbeitet – denn neben dem Aufbau soll der
eingefangene Wind schließlich nutzbar gemacht werden. Heißt für uns im
Projekt: Kabel verlegen und die Elektronik ausbauen. Wie kann die
Energie für die Bildungsprojekte vor Ort nutzbar gemacht und an ihre
Bedarfe angepasst werden?
Ein weiterer Rahmen des Projektes wird die Öffentlichkeitsarbeit sein.
Das Tempelhofer Feld als öffentlicher Raum bietet die Möglichkeit das
Windrad zu erfahren. Wie und was wollen wir nach außen kommunizieren, um
über das Projekt zu informieren?

Was kostet die Welt – und wer bezahlt das eigentlich? – Frauen*Projekt

(theoretisches Projekt) Dienstags von 14.00 bis 17.00 Uhr

English version below
Warum können wir manche Dinge fü r Geld kaufen, andere aber nicht? Und was passiert eigentlich mit den Dingen, wenn wir sie plötzlich für Geld kaufen können? In diesem Projekt wollen wir uns mit dem Zusammenhang von Märkten, Moral und Umwelt beschäftigen. Anhand konkreter Beispiele werden wir betrachten, wie aus natürlichen Ressourcen eine gehandelte Ware wird und wie die entsprechenden Märkte funktionieren. Im zweiten Teil des Projektes werden wir dann einen kritischen Blick darauf werfen, werden Preis für die Welt eigentlich zu bezahlen hat. Dabei wollen wir race-, gender- und class-Perspektiven einbeziehen und anhand regionaler Beispiele alternative Entwürfe jenseits der Märkte diskutieren.
Ziel des Projektes kann es sein, eine kritische Perspektive auf die Strukturen des Marktes und die Ausdehnung der Marktmechanismen auf natürliche Ressourcen sowie die Methodik bei der Konstruktion und Beschreibung solcher „Umweltmärkte“zu entwickeln. Darüber hinaus wollen wir einen Einblick in aktuelle kritische Debatten gewinnen.
Wie wir uns auf dem Weg dahin organisieren und was wir genau lernen wollen, entscheiden wir aber im Projekt gemeinsam. Das Energieseminar möchte für euch eine Plattform bieten, eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Lernen in einer hierarchiearmen Lernumgebung zu üben.
Bitte beachtet: Das Projekt ist ein Frauen*projekt. Wenn ihr euch davon angesprochen fühlt, freuen wir uns auf euch!
Die Arbeitssprache des Projektes wird Deutsch und/oder Englisch sein,  je nachdem, welche Sprachen die Teilnehmenden bevorzugen. Für alle, die sich in einer dieser Sprachen nicht wohlfühlen, finden wir aber auch eine Lösung, also lasst euch nicht abschrecken!

What does the world cost – and whopays the price? – womyn* project
Why can we buy some things for money,while we can’t buy others? And what happens to things if we suddenlycan pay a price for them? In this project we want to explore theconnection between markets, moral and environment. Based on concreteexamples we are going to research how natural ressources becomecommodities and how the respective markets work. In the second partof the project we want to apply a critical perspective and ask whohas got to pay the world’s price. In this process we want to includerace, gender and class perspectives and discuss regional alternativesbeyond the markets.
The aim of the project is to develop acritical perspective on market structures and the expansion of marketmechanisms on natural ressources as well as the methods that are usedfor the construction and description of these „environmentalmarkets“. Beyond that we want to gain some insight in currentcritical debates.
How we organize along the way and whatexactly we want to learn is decided by the whole projectcooperatively. The Energieseminar wants to offer you a stage fortrying autonomous and self-determined learning in an learningenvironment with as few hierarchies as possible.
Please note: The project ist for womyn*only. If you feel addressed, we are looking forward to seeing you!
The language of this project will beEnglish and/or German depending on the preferences of theparticipants. For all of you who don’t feel comfortable in one ofthese languages: Feel free to come, we will certainly find asolution!

Open Energy Monitor – Energy TransPirency

(Laborprojekt) Mittwochs von 14.00 – 17.00 Uhr

Die eigene oder kollektive Energieerzeugung selbst in die Hand zu nehmen. Das ist das Ziel vieler Menschen. Um solidarisch für Wohngemeinschaften, ein Privathaus, ganze Wohnhäuser oder Stadt(teil)bezirke Strom zu erzeugen ist es ebenso wichtig, diese Stromproduktion auch zu messen und transparent zu machen. Beim Eigenbetrieb kann es immer notwendig sein, die Kontrolle der einzelnen Stromproduktionen zu überwachen und zT. auch grafisch aufzuarbeiten. So können Schwankungen und Engpässe analysiert werden und reagiert werden. Gleichzeitig lassen sich Daten erheben über die Umgebung (z.B. Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Temperatur, etc.)

Ein Ziel dieses Projekts könnte es sein, dass ein Open Energy Monitor gebaut wird, den wir auf dem Tempelhofer Feld an einem Windrad ausprobieren können, um Daten zu erheben. Dabei soll eine ‚open source‘ Technologie zum Einsatz kommen, die garantiert, dass eine Vielzahl an Menschen beteiligt sein können bei der Verbesserung und Weiterentwicklung. Gleichzeitig kann so ausgeschlossen werden, dass private Einrichtungen dieses Wissen und die Technologie nicht für die Allgemeinheit freigeben.

Ein weiteres Ziel soll es sein, dass wir uns mit den Grundlagen auseinandersetzen und die Soft- und Hardware kennen lernen. Dabei gibt es einzelne Bauteile die verbunden werden müssen und anschließend muss mithilfe der Software auch auf das Gerät zugegriffen werden. Ob mit oder ohne Vorwissen, ob mit oder ohne praktischen Erfahrungen an der Tastatur oder beim Löten – auch dieses Wissen können wir uns im Verlauf des Wintersemesters aneignen. Deswegen sind Studierende aus allen Disziplinen gern dazu eingeladen, mitzuhelfen den Open Energy Monitor zu realisieren.

Peak Soil

(theoretisches Projekt)

Der Boden wird die am härtesten umkämpfte Ressource der Zukunft sein.
Denn auf ihm begegnen sich zunehmend angespannt Energie und Nahrung –
die Motoren unserer Zivilisation.

Dass das Thema seit der Krise 2008 wieder aus dem Medienblick gerutscht
ist, spricht nicht dafür, dass es an Brisanz verloren hat.

Im Gegenteil: Wie um die Schlossallee wird um das Ackerland im globalen
Monopoly inzwischen gefeilscht. Es gilt als krisensicheres
Spekulationsobjekt, die Kauf- und Pachtpreise steigen rasant in die
Höhe, der Flächenkampf zwischen Nahrungs- Futtermittel- und
Energiepflanzenanbau ist in vollem Gange. Global und lokal: vor unserer
Haustür ist Ostdeutschland europaweites Vorreiterbeispiel für massives
Land-Grabbing.

Warum ist das relevant? Weil ohne Energie und Nahrung nix mehr geht.
Und weil wir auf beiden Feldern gezwungen sind, nachhaltige und
weitblickende Lösungen umzusetzen. Aber wie immer haben dabei nicht
alle die gleichen Vorstellungen von Zukunft:

Warum kann mit Energiepflanzen mehr Geld gemacht werden als mit
Nahrung? Was passiert, wenn wir zwar nachwachsend Strom erzeugen
können, aber keinen Platz mehr für den Lebensmittelanbau haben? Welche
Interessen verfolgen bei der Bodenverteilung Politik und Industrie und
möglicherweise: Würde sich das unter Autarkie oder
Ernährungssouveränität verschieben? Denn wenn nur der Boden eines
abgesteckten Gebietes zur Verfügung stünde – wäre der Konkurrenzkampf
um den Anbau ein gleicher? Natürlich würden wir dann zuerst auch
klären, was Autarkie oder Ernährungssouveränität überhaupt meint und
vielleicht anhand von existierenden Praxisbeispielen untersuchen.

Aus der Notwendigkeit über eine nachhaltige Nahrungssicherung und
zukünftige Energieressourcen nachzudenken, widmen wir uns also ihrem
Kampffeld – das zusätzlich durch Erosion und Versiegelung stark bedroht
wird – dem Boden.

Soviel zum Rahmen. Welchen Fragen wir unseren Schwerpunkt geben und
welche möglichen Konsequenzen wir tiefer verfolgen, ob es gute Filme zu
sehen gibt und wir Exkursionen machen möchten … das entscheiden wir
dann gemeinsam.

Flügel im Wind

Sobald der Wind weht, drehen sich die Flügel der Windräder mal schneller
und mal langsamer… aber warum eigentlich? Was hat es mit diesem
Widerstands- und Auftriebsprinzip auf sich? Heute sind aerodynamische
Flügelprofile, die nach dem Auftriebsprinzip arbeiten, Standard – aber
worauf muss dabei eigentlich geachtet werden? Wie müssen solche Profile
aussehen und was für Unterschiede gibt es? Gibt es Flügelprofile, die
sich dem guten, alten Betz-Faktor (und was ist dieser Betz-Faktor?!)
annähern, und was ist aktueller Stand der Forschung? Aus welchen
Werkstoffen werden Windkraftrotoren dabei hergestellt und wie läuft
deren Fertigung ab?

All diesen Fragen wollen wir in unserem Seminar “Flügel im Wind” nachgehen.

Wir wollen eine Exkursion zu einem Rotorfertigungsbetrieb machen, um
danach selbst aktiv zu werden: Wir bauen gemeinsam mehrere Flügel mit
verschiedenen Profilen und aus unterschiedlichen Materialien wie Holz
oder Glasfaserverbundwerkstoffen. In der Praxis kommen solche bereits
bei selbstgebauten Kleinstwindkraftanlagen zum Einsatz. Unser Ziel ist
es, unsere selbst gefertigten Profile in einem Windkanal zu vermessen
und abschließend die Messergebnisse gemeinsam auszuwerten. Wer weiß –
vielleicht können wir unsere Profile noch anpassen, sodass diese noch
mehr Energie aus dem Wind “ziehen” können?

Wie wir uns organisieren, wie wir genau bauen und was wir noch alles
lernen wollen im Seminar, das entscheiden wir gemeinsam. Das
Energieseminar bemüht sich in seinen Seminaren grundsätzlich um eine
hierarchiearme Lehre. Wir wollen wichtige Fragen unserer Zusammenarbeit
gemeinsam und gleichberechtigt in der Gruppe entscheiden. Ob mit oder
ohne Hintergrundwissen, wir freuen uns auf viele motivierte,
interdisziplinäre Teilnehmer*innen, die Lust haben, sich in Theorie und
Praxis zu erproben!